Freundschaftstheorie

Ich denke im Moment wieder viel über Freunde nach. Es beschlich mich auf einmal so ein Gefühl, dass ich eigentlich keine so richtig engen Freunde habe. Freundschaften zu haben und aufrecht zuhalten ist für mich sowieso auf jeden Fall sehr schwer. Sehe ich paar Freunde eine bestimmte Zeit (~14 Tage) nicht, dann ist da sowieso ein gewisser Zweifel meinerseits da, ob das mit den Freunden noch so ernst sein kann etc. etc.

Darum soll es aber gar nicht wirklich gehen, denn es gibt schon einige Menschen, die ich als Freunde bezeichnen würde. Aber es geht um die Intensität. Denn der Unterschied liegt in der Nähe. Ich würde aus dem Stehgreif sagen „ja ich habe viele Freunde“. Aber wenn ich Freundschaft als eine nähere, vertrautere oder ja, „intimere“ Freundschaft definiere, dann springt die Aussage irgendwie schnell auf „nein, also eigentlich habe ich keine Freunde“ um.

Tatsächlich dachte ich darüber nach. Und stellte fest, dass ich Kollegen eigentlich ähnlich nahe stehe. Da ich diese recht oft sehe (praktisch täglich 😉 ) ist das auch leichter. Trotzdem ist das Verhältnis natürlich kollegial, dennoch freundschaftlich.

Ich hab auch Freunde in meiner Stammkneipe. Die ich halt dort sehe. Aber dort regelmäßig. Was regelmäßiger ist, als die Freunde, die ich klassisch als Freunde bezeichne. Hört sich doof an, aber das sind wirklich nette und irgendwie geile Typen. Und wirklich privates spreche ich mit klassischen Freunden auch nicht. Bis auf mit Zwei. Aber das ist auch schon lange her und ich fühle es hier so, dass das auch nicht mehr erwünscht ist.

Jetzt kollidieren zwei Veranstaltungen nächstes Wochenende. Einmal eine mit meinen „richtigen“ klassischen Freunden. Und einmal mit den Freunden aus der Stammkneipe. Jetzt fällt es mir aber schwer den Unterschied zu erkennen. Das mit den Freunden aus der Stammkneipe war früher ausgemacht schon und ich freute mich tierisch drauf. Das mit meinen klassischen Freunden erscheint mir wichtiger, aber es kam halt später drauf und hat meine Freude auf ersteres irgendwie kaputt gemacht.

Dass es mir schwer fällt den Unterschied zu sehen macht es schwer für mich zu entscheiden was ich tue. Darf ich überhaupt sagen „sry, da mach ich dies und jenes schon“? Nach meinem Gefühl bin ich auf jeden Fall der verlierer, weil egal welche Freundesgruppe ich durch meine nicht Anwesenheit enttäusche, ich werde diese Gruppe verlieren (mein Gefühl!). Was die Entscheidung und die Situation für mich schwer macht. Und vom Gefühl her ein wenig existenziell, denn ohne Herde hab ich das Gefühl überlebe auch ich nicht. Jetzt nur nicht für die Falsche entscheiden! 😦

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Akzeptanz

Die letzte Therapiestunde drehte sich viel um Akzeptanz. Denn es ist nach wie vor ein schweres Thema. Dinge mal so anzunehmen wie sie nun mal eben sind. Wie ich bin. Und dann mal alle fünfe gerade sein lassen. Dinge, die mir nahezu unmöglich erscheinen. Eben Dinge anzunehmen wie sie sind, nicht drüber nachzudenken, zu grübeln, zu zweifeln und am Ende fast immer zu einer neuen, aber notwendigerweise anderen Meinung zu kommen. Und sich dann – ganz wichtig – daraus selbst wieder ein Strick drehen.

Nur wie soll das gehen? Mir fehlt auch völlig der Referenzwert. Ich weiß gar nicht welche Dinge ich versuchen kann zu akzeptieren und welche nicht. Ich sollte ja auch nicht alles akzeptieren. Jedenfalls meiner Meinung nach. Denn besonders wenn mir von außen Schaden zugefügt wird, dann finde ich das einen nicht zu akzeptierenden Zustand. Und wenn ich mir selbst Schaden zufüge auch nicht. Obwohl man das natürlich erst mal so akzeptieren könnte. Oder auch nicht. Ich weiß es nicht. Klar wenn man was akzeptiert, kann man dran arbeiten. Aber wenn ich akzeptieren würde, dass ich nun mal so bin wie ich bin, oder ich nun mal gern stark Alkohol konsumiere, dann würde ich das häufiger tun. Wenn ich akzeptiere, dass ich zwar ein geselliger Mensch bin (angeblich) aber eigentlich ein ziemlicher Einzelgänger und Beziehungskrüppel (ohne hier abwertend über andere zu sprechen), dann würde ich noch weniger aus dem Haus gehen.

Die Angst bei der bedingungslosen Akzeptanz geht bei mir ganz klar in Richtung eines bedingungslosen Freifahrtschein für jedes dysfunktionale Handeln. Ich glaube da muss ich erst mal den Unterschied kapieren. Und zumindest im Ansatz eine Vorstellung davon bekommen, wer und was ich bin.

Punk is dead

Ich war letzt auf nem Konzert der alten deutschen Punk Band „Die Kassierer“. Was man als Akademiker eben an Wochenenden so macht.  Bier saufen und Punk anhören. Wo man dann doch deutliche Unterschiede zwischen mir und dem Akademiker an sich erkennt. Denn selbiger lauscht eigentlich mehr den Klängen eines Cellos, einer Jazz Kombi, eines Chores und/oder diversem Philharmonikern oder Symphonieorchestern. Nicht so ich. Ich geh lieber auf Konzerte wo in der Regel irgendwelche abgefuckten Typen in die Saiten hauen, der Drummer auch mal besoffen vom Hocker fällt während er versucht durch die Schießbude zu fahren und auch gern mal die ganze Bühne zerlegt wird.

Die Musikkapelle „die Kassierer“ z.B. ist eigentlich eine der wenigen deutschen Punk Bands, die sich auch so nennen konnten. Neben Wizo (von den bekannteren) und ZSK, die etwa in dem Genre spielen, das mir liegt. Die Toten Hosen sind ja noch etwa so ne „Punk Band“ wie Helene Fischer ne Death Metal Band.

Ende der 90er haben die Kassierer noch in Clubs gespielt, da waren halt 50-100 Leute da, die zum einen auch bisschen zwischen den Liedzeilen gelesen haben (die natürlich kulturell höchstwertig sind!) und halt morzmäßig gefeiert haben. Die Kassierer sind in der Musik etwa so wie Helge Schneider in der Comedy/Kabarett Szene. „Man muss es mögen und sich bisschen mit ihnen beschäftigen, sonst wirkt es bisschen skurril“ würde ich sagen.

Jetzt steht man schon mal 45 Minuten an (mit Karte), ist dann mit 800-1000 Menschen dort, bekommt nicht ein Bier weil man a) 30min+ warten muss und b) dann die Becher alle sind. Das ganze ist sehr paradox, vor allem deswegen, weil der wohl bekannteste Hit den einfache und zugleich genialen Titel trägt „Das schlimmste ist, wenn das Bier alle ist“. Aber der Veranstalter kann ja nicht ahnen, dass bei einer Punk Band, bei der Alkohol sowohl in den Texten als auch generell einen hohen Stellenwert hat, evtl. pro Person mehr als 1 Becher Bier bestellt wird (was ich so sah bewegten sich Bestellungen zwischen 3 und 20 Bier). Jene Becher, die dann – oh Wunder – auch nicht ordnungsgemäß wieder zurück kommen, trotz 2€ Pfand drauf. Selbst dem Sänger (der gute Wölli!) war das unangenehm. Und von den 800-1000 Menschen dort rennen dann 600-800 rum, zwischen 20 und 30 Jahren, kennen die Kassierer hauptsächlich aus dem TV Auftritt von Circus HalliGalli und skandieren „Arbeit ist scheiße“ während sie ihr Gehalt versuchen in Bier zu investieren. Schon in der Schlange vor dem Konzert war „das sind doch die aus Circus Halligalli“ mehrfach zu hören. Danke Circus Halligalli dafür, dass selbst diese Band irgendwie ihren Status verloren hat.

Die restlichen ~200 (im alter von +- 40) stehen eher entsetzt hinten und/oder gehen kopfschüttelnd bereits vor Ende des Konzerts.

Was die Kassierer angeht ist „Punk schon bisschen dead“. Schade, das war wohl das schlechteste Konzert dass ich jemals sah und das lag nicht wie vermutlich viele erwarten an den Kassierern und den vermeintlich niveaulosen Texten, sondern am drum herum. Die Kassierer können eigentlich nichts dafür (ok, vielleicht hätte Wölli nie nackt bei Circus Halligalli aus der Tür laufen sollen).

90er HipHop

Nachdem ich mal eine Top 10 List meiner Favorit Nirvana Songs erstellt habe, habe ich mir überlegt ich mach mal eine mit HipHop/Rap Songs aus den 90er, an die ich mich noch erinnere. Ich höre eigentlich so gut wie kein HipHop/Rap mehr, aber in den 90er hab ich das sehr viel gehört und vor einiger Zeit bin ich mal wieder drüber gestolpert. Sowohl amerikanischen als auch deutschen HipHop.

Das Genre ist zu groß und jeder DJ/MC bzw. jede Band hat mehrere fette Songs, deswegen vor allem eine Auswahl an meiner Meinung nach recht coolen Songs aus den 90er. Wie gesagt, natürlich gibt es nahezu unendlich viele gute und auch recht unbekannte Songs. Und auch DJs die ich nicht leiden konnte, wie z.B. DJ Thomekk 😛  Die sind natürlich hier nicht zwingend aufgeführt ^^

US:

Lauryn Hill – Everything Is Everything

Outkast – ATLiens

Delinquent Habits – Tres Delincuentes

DJ Premier – Break It Down

Gauge The Mental Murderah – Cranium

Trybal-Men – Down Like That

Dr. Dre – Still D.R.E

Gang Starr – Full Clip

Nas – Nas Is Like

Afu-Ra – Defeat

Mobb Deep – The Learning (Burn)

Cypress Hill – When the Shit Goes Down

 

DE:

Stieber Twins – Malaria

Freundeskreis – Wenn der Vorhang fällt

Blumentopf – Props

Spezializtz Feat. Afrob – Afrokalypse

K2 – Absolute Beginner feat.weitere

DynamiteDeluxe – Pures Gift

Fünf Sterne deluxe – Dein Herz schlägt schneller

Massive Töne – Rapgame

Mellowbag & Freundeskreis – Tabula Rasa

Die Fantastischen Vier – Der Picknicker

Fettes Brot – Jein

Stieber Twins feat. Cora E Einmal Macco Zweimal Stieber

Eins Zwo – Zu Laut feat. Das Bo

Vielleicht was für den ein oder anderen dabei um mal wieder in die Zeit von vor „ich-fick-deine-Mutter-sowieso-schon-zum-18293mal-nachdem-ich-Bizeps-trainieren-war-und-noch-paar-Gangmitglieder-abgeknallt-hab“-Rap einzutauchen.

Wenn ich von den aktuellen Songs wählen müsste, dann wäre im Moment wohl sowas wie

Dendemann – Keine Parolen

was für mich. Aber ansonsten kann man das ja vergessen. Bisschen ironischen Berliner Penner-Rap a la Karate Andi oder Bomber geht ja noch einigermaßen. Aber ich finde vergleichbar mit 90er Rap gibts eigentlich fast nichts. Anderseits auch kein Interesse mehr an neuem Rap/HipHop 😉

Wut Teil x

Ich weiß  nicht wie oft ich mich hier schon ausgekotzt habe, deswegen nenn ich das einfach mal Wut Teil x für alle x  → ∞.

Ich rege mich ja immer wieder übers Weltgeschehen auf. Und habe auch für viele Dinge kein Verständnis. Nun wieder für den Brandt in der Notre Dame. Ja natürlich ist das tragisch, ja natürlich ist das schade. Aber in meinen Augen ist es halt trotzdem noch einfach nur ne fucking Kathedrale. Eine Kathedrale ist ein Gebäude.  Vielmehr zeigt sich wieder was die Kirche für Reichtümer im Laufe der Zeit angehäuft hat. Schaden von weit über 100Mio, ich spekuliere mal und behaupte, der Schaden am Gebäude ist nicht größer wie der bescheidene Prunk den sich diese Art der Götzenverehrung im Laufe der Zeit angeeignet hat. Klar wer viel Wert hat, kann viel Wert verlieren. Und nochmal, mir ist schon klar, dass es ein geschichtlichen Hintergrund hat und das Ding schon recht alt ist und natürlich ist es schade weil es kulturell einen Wert hat.

Dennoch ist es einfach ein beschissenes Gebäude. Darüber kommt dann wieder 2331240 Stunden live Berichterstattung, Brennpunkte, komischer Macron mit irgendwelchen bedröppelten Affen im Hintergrund in jedem Interview, Spendenaufrufe……

Würde der Aufwand mal betrieben werden um Armut, Obdachlosigkeit, Menschen die auf Spenden/Tafeln angewiesen sind, Menschen die auf der Flucht sind oder Menschen die Krank sind zu helfen, dann hätten wir deutlich weniger Probleme. „Die Welt reagiert bestürzt“. Wieso klingt das Bestürzen so schnell ab wenn Trump Familien an der Grenze auseinander reist oder Menschen im Mittelmeer ersaufen? Da wird kein Euro Locker gemacht. Wenn Menschen auf der Straße sitzen und die erste Stufe zurück ins Leben nicht mehr schaffen? Unwichtig? Der Mensch sollte mal Weltkulturerbe werden!

Ich bin stolzer Atheist und werde immer wieder bestätigt. Es widert mich regelrecht an wie heuchlerisch viele Zweige des Christentum mit dem Glauben umgehen und ich will nicht wissen, wie viel Nächstenliebe jetzt der Notre Dame entgegen gebracht wird, weil das ist ja nun also tragisch. Gibt es eigentlich ein Begriff für „Gebäudeliebe“? Würden die Leute mal eben pro Jahr 10Mio für Obdachlosigkeit/Armut ausgeben bzw. sammeln (was ein Bruchteil der Renovierungskosten der Notre Dame ist!!), könnte man locker 1000 Menschen über 10 Jahre das Leben massiv angenehmer machen. Aber nein, das Wahrzeichen der Stadt…..Ich hatte Paris ja mit dem Eifelturm assoziiert, aber gut, hätte der gebrannt, wäre er DAS Wahrzeichen der Stadt. Wahlweise der Arc de Triumph oder Louvre, man ist ja flexibel wenn man heuchelt.

Zu Schluss hoffe ich nur dass es dem verletzten Feuerwehrmann gut geht, das einzige wichtige erst mal!

 

Respect bro

Vielleicht wenig überraschend, aber im Sportbereich schätze ich auch vor allem Menschen die irgendwo anfangen zu spielen und dort bleiben. Wo es so wirkt als würde es wie in einer Familie gut klappen. Es familiär ist. Und sicher auch so ist, wenn dem so nicht wäre, würde keiner 21 Jahre dort bleiben.

Früher war ich großer Basketball Fan. Und das schöne am Basketball war eben oft, dass es nicht wie im Fußball zugeht wie im Taubenschlag, sondern Spieler oft sehr lange bei ein und dem selben Verein spielen. So hat Scottie Pippen lange für die Bulls gespielt, Patrick Ewing für die Knicks, der Mailman Malone für die Jazz, Kevin Garnett für die Timberwolves und Reggie Miller für die Pacers (könnte man ewig so weiter führen).

Basketball verfolge ich zwar nur noch nebenher aber mit Freude hab ich auch immer notiert, dass Dirk Nowitzki den Mavericks treu blieb. Und jetzt abgetreten ist. Entsprechend mitreißend seine Verabschiedung beim letzten Heimspiel der Mavs.  Ich denke Dirk ist ein sehr gutes Vorbild für die Sportwelt, wie man sich verhalten kann/sollte und wie es auch gehen kann. Sogar seine Vorbilder von damals, der Zeit als ich selbst totaler Basketball Fan war (und selbst gespielt habe!) waren vor Ort um ihn gebührend zu verabschieden. Und ich muss sagen, Dirk hatte eine gute Auswahl an Vorbildern ;-). Allen voran Scottie Pippen und Charles Barkley.

Anyway, respect Dirk!

 

 

Wasserbau

Und dann gibt es wieder Tage wie diese, wo ich echt nahe am Wasser gebaut hab. Was ich so eigentlich nicht kenne. Aber dauernd versucht ein überwältigendes Gefühl von Trauer durchzubrechen. Phasenweise treibt es sogar Ansätze von Tränen in die Augen. Irgendwie untypisch. Für mich. Einen Mann im Bereich des mittleren alters. Natürlich sind das die Tage an denen irgendwie alles schief läuft. Was natürlich dahingehend sehr anstrengend ist, dass es mich emotional auch völlig mitnimmt. Da wird mir schnell alles zu viel. Jede noch so kleine Kleinigkeit.

Da bin ich eigentlich beim Arbeiten so überflüssig wie ein Hundehaufen am Schuh. Und die Kollegen, die ja auch von nichts wissen, wirken glaube ich phasenweise ob mancher Reaktionen ziemlich irritiert. Reaktionen auf ganz alltägliche und normale Dinge. Die mir aber nicht so einfach und alltäglich erscheinen. Heute. Der Tag an dem sich alles so anfühlt, als wenn das gesamte Konstrukt „Leben“ auseinander fällt.

Ich weiß gar nicht ob es sich nur so anfühlt an den Tagen, oder ob wirklich alles schief läuft. Mir fallen dann keine Lösungen ein für verschiedene Probleme. Und „keine Lösung“ haben ist äquivalent zu Katastrophe. Und die Katastrophen sind voneinander nicht unabhängig. Summieren sich auf. Kaskadenförmig wechselwirken sie gegenseitig.

Ich könnte explodieren. Und am Ende eines solchen Arbeitstages sitze ich also im Büro, rein gar nichts gearbeitet obwohl dringliche Arbeit getan werden will, der innere Wunsch nach Selbstschädigung und/oder Selbstverletzung wirklich groß und schreibe diesen Text. Mit wässriger Netzhaut.