Suchtfaktor

„Sucht ist die Suche danach, einen tiefen Schmerz in uns zu betäuben und auch eine Sehnsucht zu betäuben“, so oder so in etwa beschreibt Gabor Mate „Sucht“ und ich finde es ziemlich zutreffend muss ich ihm leider zugestehen. Er spricht davon, dass physische und emotionale Schmerzen im selben Areal des Hirn wahr genommen werden. Wer emotionale Ablehnung erfährt, der leidet im selben Maße wie jemand der mit dem Messer gestochen wird. Diese Schmerzerfahrung gilt es um jeden Preis zu vermeiden. Nun bei emotionalem Schmerz bedienen sich viele einer Sucht. Anders herum seiner Meinung nach hat jeder Süchtige einen Schmerz zu betäuben bzw. ein Trauma erlebt.

Und ich bin sehr anfällig für alle Arten von Sucht. Und ich merke es zur Zeit wieder sehr stark, dass ein Leben ohne Sucht, also ein Leben das mich mehr mit dem Schmerz konfrontiert mir sehr schwer fällt. Ich habe nun wirklich lange durchgehalten. Ich habe jetzt gute 70 Tage so gut wie kein Tropfen Alkohol getrunken (2 x je 1 Bier und 1 x ein Glas Rotwein, was wars tatsächlich). Ich habe keine einzige Zigarette geraucht. Ich habe dazu sogar etwas überflüssige Pfunde verloren. Aber ich habe auch was gewonnen. Naja gewonnen ist vielleicht falsch ausgedrückt eigentlich war es schon immer da. Nämlich die ganzen Dinge, die ich auf meine Art und Weise immer wieder gekonnt in Schach gehalten habe. Druck, Anspannung, Leere, Chaos. Schlechte Gefühle wie Wut, Einsamkeit, Scham, Angst, Hoffnungslosigkeit. Dinge, derer ich überdrüßig bin und ich nicht weiß, sie zu handhaben. Ein gut und wohl platzierter Vollrausch mit ner ordentlich selbstschädigenden Menge Zigaretten dazu, hat das ganze schon sehr gut im Zaum gehalten. So sehr ich auch bemüht bin nun für mich einigermaßen Psychohygiene zu betreiben, dieses zunehmend fremd wirkende und – rein kognitiv betrachtet – konstruktive Konstrukt gerät immer mehr ins Wanken. Es ist wirklich die Sucht, innere Schmerzen zu betäuben statt sich ihrer anzunehmen. Ab er letzteres weiß ich nicht wie. Da ist ein dunkler Fleck. Ein großer dunkler schwarzer Fleck.

Unterbewußt habe ich mit mir selbst aber schon abgemacht, dass die nächste Gelegenheit wieder genutzt wird um so richtig steil zu gehen. Ich befürchte also der nächste riskannte Alkoholkonusm wird nicht mehr lange auf sich warten lassen und es wird zunehmend auch scheiß egal mit dem nicht rauchen. Wenn die Gedanken schon unterschwellig da sind, ist das meist auch nicht mehr zu retten.  Denn auch die mangelnde Freude am Leben ist stark wirksam im Moment. Schwer dann auf negatives was aber kurzfristig hilft zu verzichten. Denn wozu auch? Wieso nehmen ich mir das einzige wo ich mich eigentlich immer mal wieder „erden“ kann auch noch weg, wenn die meisten Tage so oder so eine Qual sind. Bewußt hingegen ist mir, dass es durch betäuben nicht besser wird sondern meistens schlechter. Es kommt dann nämlich auch immer ein Entsetzen über mich selbst hinzu. Was ich wieder alles weggeworfen habe an konstruktiven und  positiven Dingen.

In The Tibetan Book Of Living And Dying  steht das richtig sinnvoll beschrieben drin.

“Whatever you do, don’t try and escape from your pain, but be with it. Because the attempt to escape from pain creates more pain.”

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4 Gedanken zu “Suchtfaktor

  1. Danke Dir, ich schau mal rein! Problem bei Sucht ist auch oft, dass Theorie und Praxis sehr weit auseinander sind. Wo die meisten recht haben ist, dass man immer von Menschen begleitet werden muss, die irgendwie Mitgefühl und Verständnis haben und dabei helfen. Das negiert teilweise das Suchtverlangen und -verhalten völlig.
    LG

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  2. gern geschehen. das ist aber nichts zum angucken, nur zum anhören und ist auch nichts für die theorie, sondern für die praxis, d.h. er gibt eine praktische anleitung. vielleicht hilft es dir ein stückchen weiter, liebe grüße, poetin

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