Selbstfürsorge

„Nur wer sich um sich kümmert, kann sich auch gut um andere kümmern“ ist das Ergebnis einer Studie. So ein Quatsch! Ich kann mich extrem gut um andere kümmmern, nur bei mir selbst hab ich nicht zu verachtende Schwierigkeiten. Und so habe ich mich dieser Tage um mich selbst gekümmert. Und es ist mir schon ziemlich unangenehm, dass ich das getan habe. Für andere Menschen hätte ich das alles problemlos gemacht und mich deutlich besser gefühlt.

So habe ich nach der Ablehnung meines Orthopäden am Ende letzter Woche die Initiative ergriffen. Montag bin ich einfach hin, hab gesagt „ich hab letzte Woche angerufen wegen dem Ausfüllen des Schreibens der Versicherung…hier ist es!!“ und einfach mal ignoriert, dass am Telefon gesagt wurde, dass das nix wird vor Juli. „Ah ok, alles klar, ich gebe das weiter, wir melden uns wenn Herr Dr. XY das ausgefüllt hat“.

Aha. Geht doch. Gestern wars so weit, direkt abgeholt, vorort nach nem Termin gefragt „Ah, da haben sie Glück, für morgen hat jemand abgesagt, würde 10 Uhr gehen“? Ok!

Witzig, aber meine Anfrage am Telefon, ob sie sich melden könnten wenn überraschend jemand absagt wurde abgelehnt…..

Erste Lektion: Wenn man was von Ärzten will eigentlich immer direkt vorbei gehen.

Jetzt habe ich besagten Termin wahrgenommen und mich weiter um mein Bein gekümmert, das immernoch Probleme macht.

Jetzt ist es aber so, dass Termine, MRT, Manuelle Thera, Telefonieren etc. sehr viel Zeit kosten. Zeit, in der ich meiner Aufgabe „forschen, damit Projektpartner und Chef zufrieden sind“ nicht nachkommen kann. Und sowohl Arztpraxen als auch Physiopraxen arbeiten nunmal nicht nachts. Der interessierte Leser ahnt vermutlich, was das heißt?

Richtig. Ich habe alle richtig gemacht und je mehr ich eigentlich richtig mache, desto schlimmer fühlt es sich an und desto lauter wird die Stimme im Kopf „SOVIEL ZEIT UND SELBSTLIEBE STEHT DIR NICHT ZU!!!

Ich bin defintiv ein statistischer Ausreißer dieser eingangs erwähnten Studie!

 

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Akzente

Es Leben setzt ja immer wieder mal ein paar Akzente. Im Falle von Borderline müssen das keine großen sein um als ziemliche Kracher wahrgenommen zu werden.

Weil man schon auf nem ziemlichen Spannungslevel startet (und bei mir im Moment mit Rund 70 generell schon kurz vor zwölf ist) reichen diese kleine Dinger um eine Eskalation herbeizuführen. So auch heute. Wegen meinem Unfall und dem Beinbruch letztes Jahr habe ich zum Einen noch immer Schmerzen im Bein und zum anderen brauche ich nun ein Bericht vom Orthopäden bezüglich möglicher bleibenden Schäden, Folgeschäden oder Invaliditäten für die Unfallversicherung. Es ist nun der 12. April. Bis etwa Mitte Juni muss der Bericht etwa bei der Versicherung sein. Ich finde also nicht unbedingt, dass ich mich zu spät drum gekümmert habe.

Nun ist mein behandelnder Arzt im Mai und Juni nicht da, im April kann er wohl nicht mehr obwohl er weiß, dass ich immer mal wieder Kontrolle brauche etc. Ein anderer Arzt außer der behandelnde darf den Bericht nicht ausfüllen. „Einen Termin für sie hätten wir dann am 2.7.“. – „Gut fickt euch!“.

So eine ablehnende Haltung ist für mich schwer. Vor allem zur Zeit wo sowieso viel in mir dominiert ist von einer mächtigen inneren Leere und dem resultierenden Drang nach Selbstzerstörung.

Und damit reicht diese eigentlich eher Kleinigkeit um meine Welt zum x. mal in 7 Tage zum einstürzen zu bringen!

 

 

Wohnen

Ich suche ja im Moment nach einer Wohnung. Da ich aber eine Wohnung habe, ist es nicht dringend und auch nicht zwingend. Trotzdem finde ich es einfach nur krass, lächerlich, Besorgnis erregend und am Ende ziemlich traurig.

Es ist ja kein Geheimnis, dass ich generell finde in unserem Land läuft einiges schief. Beim Thema Wohnungen zeigt es sich ebenfalls sehr extrem und bedenklich. Nun ich wohne am Rande einer Großstadt (nicht die Größte, aber sagen wir in den Top 20-25 in Deutschland). Es ist also nicht München, Stuttgart oder Frankfurt, wo ich gar nicht erst über die Mieten sprechen möchte.

Als ich angefangen hatte zu studieren und eine Wohnung mit Freunden suchte, da war man mit etwa 300-400€ Kaltmiete für eine GUTE 3 Zimmer Wohnung dabei. Nun das ist allerdings gute 15 Jahre her. Heute? Keine Chance. Eine vernünftige 3 Zimmer Wohnung 800-900€. Kalt. Rund 1000€ incl. Nebenkosten. Ok, wären die Löhne in 15 Jahren ebenfalls um rund 120% angestiegen würde ich nix sagen. Aber die sind um wieviel angestiegen? Also im öffentlichen Dienst vielleicht um 30%? Sind wir optimistisch und sagen 50%.

Eine Faustregel besagt, man soll maximal 1/3 seines Nettolohns für wohnen ausgeben. Jetzt frage ich mich, seit wann das eigentlich absolut utopisch geworden ist. Ich frage mich also wie kann sich heutzutage ein studierter und promovierter Wissenschaftler im öffentlichen Dienst eine 3 Zimmer Wohnung leisten? Man kann mir viel vorwerfen, aber nicht, dass ich nicht versucht hätte trotz Handicap was zu erreichen.

Und dann frage ich mich, wie machen das eigentlich Krankenpfleger? Sozialarbeiter? Etc. Etc. Menschen die einen extrem wichtigen Beitrag zur Gesellschaft leisten und ein Nettoeinkommen von 1500€ haben? Diesen wichtigen Menschen dankt unsere Regierung mit der Zwangsoption WG für ihre Dienste an der Gesellschaft? Also es gab schonmal Regierungen die haben auf Arbeiterlager gesetzt. Laufen wir wieder dahin zurück? Kein Wunder feiert sich die CDU für die Eröffnung der 1000. Tafel in Deutschland. Denn ich kann gut nachvollziehen, wer heute ein Dach überm Kopf haben will muss auch mal gut und gerne 70% seines Nettolohns opfern. Da bleibt zum essen eigentlich nur noch die Tafel.

Und jetzt wird die Grundsteuer neu verhandelt. Und die mal wieder völlig an der Realität vorbeilebenden Politker, insbesonderer meiner Freunde aus CDU, CSU und FDP, erwarten allen ernstes, dass dadurch kaum etwas teurer wird. Da muss ich ja schon ziemlich lachen. Und ich sehe heute schon die geschauspielert verkrampft dreinguckenden Lobbyisten besagter Spaßparteien,  die in ein paar Jahren völlig überrascht sind, dass sich nur noch die Reichsten der Reichen  eine Wohnung in Stadtnähe leisten können.  Der Rest darf nun die zerfallenen Ruinen auf dem Land besiedeln und täglich 100km zur Arbeit fahren. Weil die Grundsteuer wird in den seit 1964 durchaus extrem an Attraktivität gesteigerten Städten massiv gestiegen sein. Und die Grundsteuer bezahlt ja im Grunde jeder 😉 Also mal wieder was um arm und reich zu trennen. Und selbst wenn es nur noch 10 Reiche gibt überlegen diese sich immernoch, wie sie die jeweils 9 verbliebenen loswerden können! Und der letzte wird dann vielleicht verdutzt feststellen „oh das konnte ja keiner ahnen“.

Widerlich, pervers, abstoßend diese Politik der sozialen Ungerechtigkeit in diesem Land. Und ich behaupte mal ich bin ein gutes Beispiel dafür, dass sich darüber sehr wohl gebildete und nicht nur faule Menschen darüber beschweren. Dumme Menschen beschweren sich sowieso nur darüber, dass andere arme oder noch ärmerer Menschen ihnen das essen klauen.

Neujahr

Neujahr ist ein Datum an dem ja nicht gerade wenige Menschen ihr Leben innerhalb einer Nanosekunde massiv ändern. Mal was anders machen. Mal was besser machen. 10kg abnehmen. Nie wieder rauchen. Marathon laufen. Wohnung sauber halten. Kein Heroin mehr. Irgend ein komischen Vorsatz, der an ein Datum gebunden ist. Ich halte das für ein riesen Schwachsinn! Ein riesen Schwachsinn das nur an Neujahr zu machen wenn man das doch wöchentlich machen kann. Und drum mache ich das mindestens einmal pro Woche. Mein Leben ändern. Ab morgen rauche ich nicht mehr. Ich trinke nie wieder Alkohol. Ich mache mindestens 3 mal pro Woche Sport. Nicht mal langsam beginnen was zu ändern, nein, mit 200 durch die Wand.

Wenns an Neujahr schon Schwachsinn ist, dann ists wöchentlich nicht besser. Vor allem weil die Ziele immer unrealistisch sind. Und eigentlich verlangen, dass ich innerhalb der nächsten Tage mein Leben komplett umkrempel. Ein anderer Mensch werde mit neuer Persönlichkeit, anderem Charakter. Von vornherein ist das zum Scheitern verurteilt. Das resultiert in ziemlicher Frustration. Die Frustration wird mit selbem dysfunktionalem Verhalten totgeprügelt. Und schwupps grüßt der BL-Teufelskreis rund um dysfunktionale Verhaltensweisen. In dem, ich auch mal wieder angekommen bin und dringend wieder raus muss. Denn je extremer dysfunktionale Lösungen sind, desto übertriebener und unereichbarer die Ziele.

Frohes Neues!

 

Surrealismus

Ist eine Kunstform. Eine Kunstform gegen traditionelle Normen.

Das passt heute ganz gut zu meinem Tag. Denn ich habe heute ein Meeting. In meiner Fantasie wären es eher traditionell, gut vorbereitet in dieses Treffen zu gehen, konzentriert, mit einem Ziel. Völlig ohne negative Erwartungen, schließlich ist man scheinbar ja der Experte.

Aber Borderline ist auch eine Kunstform. Nämlich eine Kunstform, die traditionelle Normen aber sowas von ignorieren kann. Und deswegen fühle ich mich exakt Null vorbereitet denke es geht alles schief, habe extrem stark den Wunsch nach Schmerz oder Betäubung und nen Ohrwurm von

 

Alles in allem wirkt der Tag wie en schlechter Witz, miese Kunst oder nen widerlicher, realer Traum ohne Ende. Es gilt sich nun aus der Anspannung zu befreien ohne Schaden zu nehmen. Und nebenher ein Meeting leiten. Kinderfasching für jemand mit einer BPS….

Cannabis

Neulich im ARD Morgenmagazin: Diskussion, ob medizinisch verorndetes Cannabis sinnvoll ist oder nicht. Seit gut einem Jahr dürfen Ärzte ja nun Cannabis in besonderen Fällen an Schmerzpatienten verschreiben.

Schon erstaunlich, wie engstirnig dann diese Reporter immer sind und echt keine Ahnung haben, aber ihre Meinung durchdrücken wollen.

Expertin: „Cannabis kämpft vor allem mit der Reduzierung auf den Wirkstoff THC und der Stigmatisierung.“

Reporterin: „Stigmatisierung wohl weniger, mehr die Rauschwirkung!?“ (a.d.Red., also mir: Äh was? Mir war so, als wenn das Stigma stark mit der Rauschwirkung korreliert wäre…..?)

Expertin: „Nein eben nicht, denn Cannabis hat viel mehr zu bieten als THC, der Großteil sind sehr wertvolle Inhaltsstoffe und die berauschende Wirkung lässt sich dabei ziemlich gut begrenzen.“

Reporterin: „Aber den Rausch als Nebenwirkung will man ja doch nicht haben, wie kann dann Cannabis für gut gehalten werden!?“

*Facepalm*

Und wie so oft bei Reportern, man hat sich halt vor dem Gespräch in einem „Brain“storming kurz für 1 Sekunde Gedanken zum Thema „Cannabis“ gemacht und an dem ersten und einzigen Gedanken wird dann ohne weiter nachzudenken festgehalten. Ist ja fast bisschen wie impulsive Handlungen aus dem Affekt 😉

Ich sag mal so, würde kein Stigma gegenüber verkifften THC-Hippies im Kopf der Reporterin vorliegen, dann wäre sie auf die Idee gekommen mal zu recherchieren. Davon abgesehen, was sind denn die Alternativen für Schmerzpatienten? Richtig, Schmerzmittel auf Opiatbasis. Aus eigener Erfahrung kann ich da sagen, dass Cannabis im Vergleich zu z.B. Oxycodon etwa so berauschend wirkt wie nen Bitburger 0,0.

Somit sagte die Reporterin im Grunde, Heroin auf Rezept ist ok, aber Cannabis, das geht nun wirklich zu weit. Denn das berauscht ja schon ziemlich stark.

Kinder schizophrener Eltern

Ich habe grad eine Arbeit (Bachelor Arbeit) zum Thema „Kinder schizophrener Eltern“ gelesen (respektive überflogen). Da ich im Moment versuche herauszufinden, an welcher Krankheit meine Mutter leidet/früher gelitten hat kann ich das ganze auf Zwangstörung und/oder Schizophrenie eingrenzen.

Und da hab ich dann besonders im Bezug auf die die Entwicklung von Kindern bei schizophrenen Eltern einiges gelesen, wo in mir viel zusammenzuckt! (Ich zitiere einfach mal die Stellen, wo ich denke, es könnte 1:1 aus meinem Leben stammen!)

Neben diesen Ängsten erleben Kinder häufig aber auch Gefühle des Verlustes, der Schuld, der Scham und der Trauer. Schuldgefühle entwickeln sich oftmals, wenn die Kinder glauben, dass sie für die psychische Erkrankung des Elternteils verantwortlich sind. Schamgefühle erleben sie, wenn sie sich vor anderen Leuten für ihre Eltern schämen (vgl. Plass/Wiegand-Grefe 2012: 31f.). Durch immer wiederkehrende akute Krankheitsphasen und Klinikeinweisungen können bei den Kindern irgendwann Gefühle der Verzweiflung, der Hoffnungslosigkeit, der Ohnmacht und Hilflosigkeit und der Resignation auftreten. Zu diesen Gefühlslagen kommen dann oft weitere Gefühle von Enttäuschung, Frust und Wut dazu, denn besonders in den akuten Krankheitsphasen vermissen die Kinder die Aufmerksamkeit, Zuneigung und Zärtlichkeiten der Eltern. Stattdessen stossen sie auf Abweisung und Distanz und fühlen sich somit ungeliebt und vernachlässigt. Dies wiederum verursacht eine tiefe Traurigkeit und auch Verunsicherung bei den Kindern. Meist ist neben dem erkrankten auch der gesunde Elternteil überfordert mit der Gesamtsituation und somit auch nicht in der Lage, sich in ausreichender Weise um die Kinder und ihre Bedürfnisse zu kümmern (vgl. Lenz 2005: 87f.). Das Zusammenwirken dieser Gefühle führt nicht selten zu erhöhter Reizbarkeit der Kinder. Sie fühlen sich hilflos, überfordert und ausgeliefert und wissen nicht mehr, was sie tun sollen. Ihre Gefühle bewegen sich dabei zwischen Angst, Unruhe, Anspannung sowie Mitleid und Empörung (vgl. Lenz 2008: 34).
[…]
Eine zentrale Entwicklungsaufgabe im frühen Kindesalter ist der Aufbau sicherer und stabiler Bindungen. Bei schizophren erkrankten Müttern gelingt es den Kindern vielfach nicht, eine solche sichere Bindungsbeziehung zur Mutter aufzubauen (vgl. Lenz 2008: 16). Vielmehr zeigen Kinder schizophrener Mütter zumeist ein vermeidendes bzw. ambivalentes Bindungsverhalten, was sich später negativ auf die emotionale Entwicklung der Kinder auswirken kann. Kinder schizophren erkrankter Eltern werden nämlich häufig als emotional instabil, stressüberempfindlich, leicht reizbar, unglücklich, ängstlich, stimmungsabhängig und mit geringer Frustrationstoleranz beschrieben (vgl. Remschmidt/Mattejat 1994: 21).
[…]
Die Identität des erkrankten Elternteils bleibt durch das ständige Wechseln der Rollen nur schwer erkennbar für die Kinder, was zu einer emotionalen Ambivalenz führt und sich in unterschiedlicher Weise auf die Identitätsbildung der Kinder auswirken kann
(vgl. Lenz 2008:25).
Alles in allem ganz interessant die Arbeit.