Mayday!

Gestern abend kam ein Anruf. Überraschend von meiner Thera. Nur war sie nicht am Apparat. Sonderne in mir unbekannter Herr. Er sagte mir, meine Thera sei krank und er müsse die aktuellen Termine absagen. „Ok“ sage und denke ich. Ja, er weiß noch nicht wann es weiter geht. Ich frage ob es dann was ernstes und schlimmeres ist? „Ja das muss man wohl so sagen, es ist nicht sicher, ob die Praxis nochmal auf machen kann“.

Rumms!

Das hat gesessen und das wird nun wieder ne turbulente Zeit….Jetzt wo ich grad einigermaßen das Gefühl hatte mich wieder gefangen zu haben. Da steh ich jetzt grad einfach so da, ohne Therapie. Morgen wäre schon die nächste Sitzung gewesen. Die Thera wurde auch grad verlängert und die Verlängerung bewilligt. Ich weiß gar nicht wie das nun weiter geht. Denn das waren die letzten 15 Stunden für die 2 Jahre Verhaltenstherapie. Ich habe Boderline-like alles ausgereizt. 😦

Oh man. Ich muss irgendwas machen. Natürlich tragisch für meine Thera und sie kann da nix für, aber genau das sind die Situationen die mich stark triggern. Eine Person zu der ich Vertrauen aufgebaut habe (was für mich sehr schwer ist) „lässt mich von jetzt auf nachher fallen“. Ich weiß dass es so nicht ist und es Gründe gibt. Die gabs bei meiner Mutter auch, bei mir ist aber als Kind genau das hängen geblieben. Da entstand mein Grundsatz, dass auf Nähe und Vertrauen immer Leid und Schmerz folgt und ich eigentlich immer ein Messer in den Rücken bekomme.

Und das – befürchte ich – ist jetzt auch wieder ausgelöst worden. Zumindest spüre ich ein nicht unerhebliches Maß an Verzweiflung, Hilflosigkeit und Angst aufsteigen. Was schonmal besser ist, als Wut…..in die das aber häufig münzt 😦

Trotzdem hoffe ich dass es ihr bald besser gut und wünsche ihr gute Besserung!

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Abhängigkeit

Neben einer gewissen Neigung zu diversen berauschenden Mitteln wie in erster Linie Nikotin und Alkohol bin ich vor allem ziemlich Abhängig von meinem Umfeld. Zwei Beispiele wie sich die Wechselwirkung mit dem Umfeld auf mich niederschlägt.

#1: Zeichnen. Es ist gar nicht so lange her, als ich meine Zeichnungen feierlich auf dem Balkon abfakeln wollte. Tatsächlich hab ich es zwar aufgedeckt, was bei mir da abläuft. Unterbewußt habe ich das ganze aber so stark abgewertet, dass ich nur noch einmal dort aufgelaufen bin. Obwohl es dann wieder halbwegs gut lief, ist mir dieses Hobby inzwischen so fern, dass die Gedanken sich schon etwa so gestalten „Achwas? Ich hab mal gezeichnet? So ein Blödsinn! Wie kam ich denn auf die Idee? Passt weder zu mir noch hatte das irgend ein Sinn.“ Zeichnen ist im Moment so etwa auf einem Level mit Dressurreiten und sowas von absurd, dass ich das überhaupt mal gemacht hab. Ich bereue praktisch sogar, dass ich überhaupt Geld ausgegeben habe um mir manche Sachen zu kaufen, Kohle, Radierer, Bleistifte…..etc. Jetzt fühlt es sich so falsch an, wie es nur geht. Als wenn ich auf nem miesen Traum erwacht wäre in dem ich versucht habe zu zeichnen……dabei weiß ich eigentlich, dass es sich mal anders angefühlt hat. Das ist aber leider verloren.

#2: Schlagzeug. Auch hier trug sich vor nicht allzulanger Zeit gefühlsmäßig eine einschneidende Unterrichtsstunde  zu. Seit dem war ich zwar noch einmal in der Musikschule, aber ich kann es kaum erwarten, dass der Unterricht endlich vorbei ist. Es ist einfach nur lästig. Und fühlt sich im Grund alles ziemlich ähnlich an wie #1.

Es reichen solche Auslöser von echt schlimmen und chaotischen Gefühlen wie bei diesen zwei Ereignissen um eine mal bewußte, mal unterbewußte Lawiene der Entwertung loszutreten. Da müsste schon viel passieren, damit die aufgehalten wird.

Ist schade, aber so kenne ich das leider aus meinem Leben. Ich habe bald alles durch an Hobbies was es gibt und würde heute noch immer nicht sagen, dass ich Hobbys habe (außer Skifahren, das leider vor 15 Monaten mit meinem Bein gestorben ist). Wenn ich mir überlege was ich schon alles versucht habe…. Guitarre, Tischtennis, Fußball, Tennis, Briefmarken sammeln, Eisenbahn, Basketball, angeln, Skateboarden, Snowboarden, zeichnen, fotografieren, Schlagzeug spielen, Schach spielen, Ski fahren etc. etc. (nicht chronologisch geordnet 😉 ). Das nur mal die Dinge, wo ich aktiv dabei war und/oder signifikant Geld investiert habe…..ne Zeit lang.

Alles Dinge wo ich erst total Begeistert war und geglaubt hatte, „YES! Das ist genau mein Ding!“. Und dann mehr oder weniger schnell wieder an den Nagel gehängt habe. Den Grund kenne ich. Ich habe nie gelernt was für mich zu machen. Ich gehe noch weiter und sage mal, ich weiß zu 98% nichtmal, wann und ob ich was für mich mache. Ohne Reaktion von außen habe ich also kein Gefühl bei sowas. Eher so ein sich selbst fragen „was mache ich hier eigentlich?“ oder „wieso mache ich das hier jetzt eigentlich?“. Dadurch fehlt die Lust auf mehr, die Lust das zu wiederholen. Erst eine externe Reaktion darauf was ich tue, kann ein Gefühl auslösen. Und da früher die Reaktionen meiner Eltern entweder „kalt und gleichgültig“, „sich über mich lustig machend und abwertend“ oder erst gar nicht vorhanden waren, weil keiner da war zum reagieren, weiß ich nicht wie man „was für sich selbst macht“. Dieser Teil des „Ich’s“ ist bei mir völlig verkümmert bis gar nicht ausgebildet.

Und kommen negative Reaktionen, dann wars das dann auch schon. Siehe #1 und #2.

Dann auf zu neuen Ufern! Ich habe mir ein Bogen bestellt! Bogenschießen soll ja sehr therapeutisch sein, wenig Verletzungsgefahr und Bogenschießen habe ich bisher noch nicht ausprobiert!!

 

Freitagsfüller

Irgendwie hab ich heute Lust die Freitagsfüller mal auszufüllen. Weil ich grad zufällig Lotto gespielt hab und mir im Kopf schon wieder überlegt habe, was ich mit meinem Gewinn dann alles machen werde 😛 (vermutlich reichts mal wieder für ne Brezel und 2 Kugeln Eis, aber träumen ist ja erlaubt!!)

1. Wenn ich morgen im Lotto gewinnen würde, wäre das ziemlich viel, weil ich den Eurojackpot gespielt hab. Die 90 Mio € würden mir echt gut stehen glaub ich. Was würde ich damit machen? Ein Grundstück kaufen mit See und Wald, ein kleines „Tiny House“ drauf stellen und versuchen mich möglichst autark im Leben zu bewegen. Ich würde natürlich viel Knete verschenken an Freunde und Verwandte. Da ich mir selbst nicht vorstellen kann, so rein gar keine Aufgabe mehr zu haben würde ich ein „sozialen Dienst“ aufmachen. Non-profit selbstverständlich. Mit 2-3 Supermärkten, wo Menschen unter einem bestimmten Einkommen eine bestimmte Anzahl an Gratiseinkäufe pro Monat frei haben. Häuser kaufen und zu FAIREN Preisen vermieten. Nicht nur an eine 100k/Jahr Gruppe. Dazu evtl. ein Pflegedienst mit fairen Arbeitszeiten und angebrachter Bezahlung der Pfleger. Ein Dienst, wo jeder Sozialarbeiter nicht nur 15 Minuten pro Patiente und Tag Zeit hat sondern mehrere Stunden. Wie es sein sollte. Mein Job dabei wäre dafür neben eigenem Lottogewinn noch Spenden einzutreiben, Lebensmittel, Produkte, die man weitergeben kann. Statt sie wegzuwerfen. Und die Lottokohle für was sinnvolles raushauen 😉 Es gäbe so viel sinnvolles zu tun.

2. Schuhe sind irgendwie nicht mein Thema. Ich hab eigentlich nicht wirklich sowas wie „meine Lieblingsschuhe.“ Bequem müssen sie sein. Ich bin defintiv kein Fan von Lackschuhe oder Anzugschuhe oder solche normale Halbschuhe. Paar ordentliche Skateschuhe/Sneakers vom Typ Globe, Emerica, Ethnies oder alternativ FlipFlops sind mehr so mein Ding. Oder die blauen Adidas Handball Spezial, die sind auch richtig geil 😉

3. Die Datenschutzgrundverordnung ist eine farce. Wenn die Poltik einfach mal der Wirtschaft und den Unternehmen ein Riegel vorschieben würde, bräuchte man den Quatsch gar nicht. Aber da wenn dann die Wirtschaft der Politik nen Riegel vorschiebt brauchts halt so nen mist. Wenn Datenschutz ein Grundrecht ist, frag ich mich einfach nur, wieso es dann nicht umgesetzt wird….und zwar ganz normal per Recht und Gesetz.

4. Naja, also bei mir ist niemals richtig aufgeräumt. Selbst wenn ich aufräum hält das nicht lange. Ich hab da schlicht kein Bock zu und fühle mich auch nicht wohl. Ich bin kein Messi, das defintiv nicht, aber ja…..sagen wir „man erkennt mein inneres anhand meiner Wohnung evtl. schon ein wenig“ 😉 Aber ich hab eine nette Dame, die bei mir alle zwei Wochen reinigt 😛 Da muss ich zumindest soviel zur Seite räumen, damit sie dann ihre Arbeit machen kann.

5. Ich lese gerade nichts. Lesen ist wie schwimmen oder Dressurreiten. Ich hasse das. Eins der Dinge wofür ich mich nie begeistern konnte. Wenn dann sind es eher sachliche Bücher. Glaube in meinem Leben habe ich mehr Bücher über Borderline gelesen wie Romane (wobei das mit ~3-4 auch schon geschafft wäre). 😛

6. Äh ja gut äh, siehe 4. Keine Ahnung was unter meinem Sofa so alles ist. Ich esse recht oft abends auf bzw. an dem Sofa. Bin mir nicht sicher ob ich das wissen will 😉 Aber soviel sollte es nicht sein, es ist gar nicht so lange her, dass ich es verschoben habe und gesaugt (immer wenn sich Gäste ankündigen, denn das ist ein Schlafsofa 😉 )

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf nix tun, man wird ja auch älter…. , morgen habe ich geplant, ehrlich gesagt noch nichts, eventuell morgens ins Fitness gehen und danach erstmal ausgiebig frühstücken und Sonntag möchte ich auf einem 3D Parcours zum Bogenschießen gehen !

 

 

Realitätsprüfung

Heute in der Therapie war das Thema „Realitätsprüfung“ ein wichtiges. Ich prangerte unter anderem an, dass z.B. im Buch “ Interaktives Skillstraining für Borderline-Patienten“ vom geschätzten Kollegen Bohus beispielsweise Gefühle einigermaßen umfangreich beschrieben werden, es aber auch den Punkt gibt „Wann ist <xy> berechtigt?“.

Und da müsste man aus meiner Sicht nacharbeiten. Denn ich finde ein grundlegendes Problem nicht unbedingt, dass ich nicht weiß wann „Angst“ berechtigt ist. „Immer dann wenn man bedroht wird“. Das Problem ist zu wissen, wann man bedroht wird. Welche Bedrohung ist überhaupt real und welche nicht? Mag der Löwe mich wirklich nicht, oder will der nur spielen? Überhaupt Dinge normal einzuschätzen. War ich heute wirklich faul oder denke ich das nur weil ich das immer denke? War ich heute träge weil heiß oder weil ich einfach nicht in der Lage bin was arbeiten?

Mir fällt das außerordentlich schwer. Generell zu überprüfen, was real ist und was nicht.

  • Was hab ich geleistet heute?
  • War das gut?
  • Bin ich schuld?
  • Fühle ich mich zurecht bedroht?
  • Will der/die mir was böses?
  • Steht mir das zu?

Alles samt fragen, wo ich leider üben muss, diese real einzuschätzen. Denn leider beantworte ich mir die immer nach meinem (alten) Gefühl. Im grunde schon so routiniert, dass ich mir gar nicht mehr Antworten brauch, es ist so praktisch im „System integriert“ (schwer das auszudrücken). Eine Art Lebenseinstellung.

  • Wie immer, natürlich nichts!
  • Was für eine Frage!? Du hast es gemacht, also nein!
  • Wer sonst? Klar!!
  • Wer nicht dein Freund ist, ist dein Fein!
  • Dir kann man nur böses wollen. Dich will ja keiner. Und so wie die schon gucken…
  • Egal was….. nein, sicher nicht, du nimmst Dir so schon viel zu viel raus!

Es gilt das nun langsam mal gegen Lebensqualität einzutauschen!

PS – denk an dich

Ich bin ja eigentlich nicht abergläubisch o.Ä., aber manchmal fallen mir – wie vielleicht bekannt – öfters mal Sachen auf, die passender nicht sein könnten.

Heute morgen fahre ich mit dem Auto zur Arbeit. Im Kopf schmiedete ich bereits automatisch und völlig unbewußt Pläne, um das Wochenende wieder dahingehend zu torpedieren, dass es ja auch eine hart selbstschädigende Komponente hat. Als ich wieder etwas bewußter meine Umgebung wahrnehme, sehe ich das Auto vor mir an, ein alter 3er BMW. Auf der Heckscheibe ein riesen Werbeaufkleber „ps – denk an dich“.

Ok!! Ich versuchs!

Pathologische Schuld

…..ein Schuldgefühl ohne Schuld.

Der Tag heute ist wieder ziemlich zum kotzen. Gut angefangen und extrem stark nachgelassen.

Ich hatte viel vor. Heute sollte der Tag so, wo ich nach eigentlich relativ entspanntem (langem) Wochenende wieder richtig anfangen kann zu arbeiten. Jetzt ist 16:30 Uhr und ich hab genau zwei Mails geschrieben.

Ich meine wieder Auslöser gefunden zu haben. Nämlich Fehler. Fehler von mir. Oder auch vermeindliche Fehler.

#1. Ich hab bei ner Konferrenz in Übersee nen abstract eingereicht für ne poster presentation. Wurde angenommen. Als „oral presentation“ also Vortrag. Eigentlich sehr gut, weil es nicht viele Vorträge gibt. Aber ich kann vermutlich wegen meinem Bein und einer davor anstehenden OP selbst nicht dort auf die Konferrenz fliegen. Jetzt bin ich im Programm schon aufgeführt. Mit Termin, Thema etc.

Was passiert nun bei mir? „Oh ich hab ein Fehler gemacht. Es muss ein Fehler von mir sein. Ich allein bin Schuld“. Dabei hab ich kein Fehler gemacht, trotzdem bekomm ich das nicht in mein Gefühl rein. Und anstatt den Fehler mal nicht bei mir zu suchen und eher stolz zu sein, dass das abstract offensichtlich so gut war, dass es automatisch als Vortrag angenommen wurde fühle ich mich schuldig und schlecht und hasse mich dafür tierisch. Ich brauche Stunden um eine Mail zu schreiben. Lösche mehrfach Entschuldigungen meinerseits heraus. Erkläre detailliert wieso ich unter Umständen gar nicht vor Ort sein kann etc. Sowas beschäftigt mich. Stunden, Tage, unter Umständen Wochen……… obwohl es mit mir eigentlich nichts zu tun hat, ich habe alles richtig gemacht.

#2 Direkt erhalte ich noch eine Mail. Bezüglich der Veröffentlichung meiner Dissertation. Wann ich denn nun mein Manuskript einreiche. Ich schrieb damals nen voraussichtlichen Termin und dass es sich verzögern kann. Nun ist Termin und eigentlich auch Verzögerung vorbei. Und ich bin längst nicht damit fertig. Das setzt mich in Kombination mit dem oben genannten dermaßen unter Druck und Anspannung, dass ich leider schon im roten Bereich bin und den Wunsch auf Selbstschädigung und/oder -verletzung stark spüre. Denn das Manuskript ist mit nichten fertig und es ist meine Schuld. Aber ich hab einfach viel Arbeit und keine Zeit und Lust und Nerven das abends noch zu machen. Schließlich bin ich in meiner Freizeit auch noch Hobby-Borderliner und muss noch den Krieg mit mir selbst ausfechten.

Die Kombination aus meinen beiden Fehlern (ob es reale sind oder nicht, emotional werte ich sie gleich: meine Schuld) führt zu einer spirale aus destruktiven Gedanken, aus mich selbst verachtenden Worten und zu nem ziemlichen Chaos sowie einem schier unaushaltbarem Schuldgefühl. Und einer unsäglichen Anspannung!

Lie, Lie, Lie

Heute gehts der BPS ziemlich an den Kragen. Viele Menschen (inkl. mir) mit einer BPS werten sich selbst immer stark an. Es ist wie eine Art innere Stimme, die einem immer das maximal Schlechte über einen selbst zu bereichten weiß. Nicht so wie z.B. bei Menschen mit einer Schizophrenie, eher so eine Pseudo-Stimme, die eigentlich gar nix sagt, man sich selbst aber einbildet, dass man wüßte was sie ggf. über einen sagen würde.

Heute hab ich der Stimme aber was entgegenzusetzen. Per Zufall hab ich heute mal wieder ein geilen Song von Serj Tankian (Sänger von S.o.a.d) gehört. Und vom Refrain hab ich nen satten Ohrwurm. Zwar passt der Song thematisch jetzt nicht zwingend dazu, aber der Refrain passt wie Faust auf Auge (oder Faust auf böse Stimme, in dem Fall!)

Und so hab ich heute sobald ich was negatives über mich selbst denke ein Kopfkino von mir als Kind im Kopf. Wie ich einfach trotzig dem gegenüber stehe, mir die Ohren zuhalte und „Lalalalalalalala lie lie lie“ brüllt!

Und was soll ich sagen? Für den Moment wirkts!