Love hating me

Wenns um mich geht bin ich ja schon echt Beratungsresistent. Dabei gibts ettliche Sachen, die ich aus dem Stehgreif aufzählen könnte, aber was mich im Moment wieder richtig ankotzt ist der Wiedereinstieg in die Arbeit. Da gäbe es ja die Option das stufenweise zu machen. Da es ja im stufenweisen Wiedereinstieg um MICH geht, ist das ausgeschlossen. Wozu mir was gutes tun, wenn ich doch so lange weg war und alle anderen eh schon enttäuscht habe?

Und so fange ich nach 5 Monaten Ausfall wegen Krankheit also mit Vollzeit wieder an, als wenn nix gewesen wäre. Ok, der Fuß tut bisschen weh, es ist ultra Anstrengend und mein Rücken bringt mich bald um, aber es ist ok. Von der psychischen Belastung spreche ich erstmal gar nicht. Die ist ja selbst Menschen mit einer gesunden Psyche schon hoch in so einem Fall.

Eigentlich hat mir jeder geraten, das ganze stufenweise zu machen. Und eigentlich wäre es auch vernünftig. Rein kognitiv kann ich dem auch folgen, mein Gefühl sagt aber es ist völlig falsch. So ist meine Person nun mal gestrickt, dadurch dass ich ein Unfall hatte bin ich nun Schuld, dass ich skifahren war und nun andere wegen mir ebenfalls leiden müssen. Da sich die Arbeit aufstaut, Projekte sich verzögern, mein Dissertatiönchen nicht fertig ist etc. . Da kann ich mich nicht erdreisten jetzt auch noch was für mich zu tun. Liebevoll mit mir umzugehen. Da verdiene ich eine Strafe und muss mich zurückstellen, mich zum Wohle der anderen Opfern. Mich Opfern und für alle anderen was tun, damit ich nicht abgestoßen werde. Und letztlich bringt mich also die allesumfassende (eigentlich völlig irreale und diffuse) Angst vor dem Alleine sein dazu, dass ich mich als Kerngesund zurückgemeldet habe.

Und das kotzt mich immer wieder aufs neue an. Es rein logisch zu wissen aber Handlungsunfähig gezielt auf den Eisberg zusteuern…..

Resozialisierung

Heute ist mein erster Arbeitstag. Mein erster Arbeitstag seit dem 10. März. Und ich hab Angst. Angst vor den fremden Menschen auf meiner Arbeit. Angst davor, keinen zu kennen. Angst davor, nicht mehr gemocht zu werden. Angst davor nicht mehr „dazu zugehören“. Angst davor nichts mehr zu können. Angst vor den Interaktionen in allen Arten von Beziehung. Einfach Angst.

Mal sehen, was von den schwachsinnigen Gedanken und Gefühlen wahr sein wird….

Reha

Heute war meine Aufnahme in die Reha wegen meinem Bein. Ein Programmpunkt ist – zu meiner Verwunderung – auch eine „Aufnahme Psychologie“ gewesen. Das hat mich ganz schön beschäftigt. Es war aber eine sehr interessante Begegnung. Natürlich sagte ich nicht gleich – wie man das heute so im SWAG-Slang sagen würde –  „Hi I bims 1 Porderleiner vong Ausrasten her“, sondern ich bin einfach hin, „Hallo“ –  „Hallo“. Angucken. Ich kenne die Situation ja, von daher nur wenig nervös oder aufgeregt. Dann stellte der durchaus nette Herr mir einige Fragen, dies uns jenes. Obligatorisch will ich meinen.

Beim Thema Beruf wurde es schon interessanter. Der nette Herr wußte ja noch nicht, dass ich durchaus ne psychologische Biografie über mich verfassen könnte. Er: „Welche Pläne haben sie denn so für die Zukunft?“  – Ich: „Plä….was für ein Ding? Ähm ich glaub sowas hab ich nicht.“ Dann begann er mir von seinem Lebenslauf/Werdegang zu erzählen und was alles machbar ist. Etwa ein 2 minütiger Monolog, der sich anfühlte wie 10 Stunden und ich schnell abglitt, wie ich es bei sowas immer tute, und anfing meine eigenen Gedanken zu hören. Da dachte ich dann schon, „ähh ja? Und? Was hat das mit mir zu tun? Nein bei mir geht das nicht so, und keine Pläne haben heißt nicht automatisch ‚entspannt auf sich zukommen lassen‘ sondern heißt vielleicht auch ‚panisch versuchen nicht abzusaufen und sich an jedem Strohhalm festhalten, egal wie der aussieht, hauptsache er schwimmt‘ und ’nein wenn ich 9 Monate arbeitslos wäre, würde ich mit ner Nadel im Arm im Park sitzen und versuchen mit ner Kerze nen Löffel anzuzünden also bitte erzähl mir nix, was geht und wie es geht, einfach …. nein!'“. Ich teilte ihm mit, dass ich mich sehr für ihn freue, bei mir das ganze so aber nicht geht.

Dann fragte er, ob ich denn Lust hätte, während der Reha an der PMR (Progressive MuskelRelaxation nach Jacobsen)  teilzunehmen. Ich „Ja ich möchte es mal versuchen, habe aber bedenken, dass das gut geht mit mir.“ Er: „Können sie abends schlafen? Na also dann können sie auch entspannen. Sie denken zuviel, jeder kann entspannen.“ Ich: „Nein. Ich kann das nicht. Nicht (nur) wegen den Gedanken, sondern wegen dem Druck im Körper“ Er: “ Doch das ist ganz einfach, sie dürfen nicht nachdenken, das einzige Problem wird sein, dass sie nicht einschlafen. Moment ich hole ihnen ein Zettel mit einer Beschreibung, dann sehen sie das alles nochmal.“ Ich dann etwas ungeduldig, genervt und auch schon leicht wütend, denn wenn man meine Meinung nicht ernst nimmt oder nicht zur Kenntnis nimmt, da werde ich wütend, wenn ich und meine Meinung und meine Schwierigkeit nicht gesehen wird, übergangen wird. „Wissen sie, ich hab das schon mal im Zuge einer Psychotherapie  versucht mit der PMR, ich kann das nicht. Das ist wohl ein Teil der ‚Krankheit‘, dass ich ständig unter Strom stehe. Ich habe eine emotional instabile PS und Entspannung ist für mich eine Höllenqual!“ Er: „Ok, das hab ich jetzt ihnen rein gar nicht angesehen und ich bemerke sonst sehr viel. Dann nehme ich alle Argumente zurück, sie haben recht, dann werden sie sich schwer tun zu entspannen. Wenn sie dennoch möchten, versuchen sie es gern in der PMR Gruppe, sie können jeder Zeit zu mir kommen wenn es damit Schwierigkeiten gibt.“

Im Endeffekt, war es ein gutes Gespräch, aber ich finde schon erstaunlich, dass man in einer psychologischen Aufnahme eigentlich ne Diagnose mitbringen muss um ernst genommen zu werden mit seinen Problemen und Gefühlen. Ich bin natürlich zweifelsohne Meister im Rollenspiel und kann meine Rollen so perfekt spielen, dass mir nicht mal ein Psychologe eine PS ansieht. Das hat mein erster Therapeut schon festgestellt, dass ich extrem gute Maskenbildnerqualitäten besitze und schauspielerisch gesehen ein Naturtalent bin. Anyway, ich nutze die Chance nochmal um der PMR eine Chance zu geben. Ich bin gespannt. Und freue mich, dass mein Bein nun endlich wieder nen Schub bekommt.

Altern

Nachts schlaflos im Bett liegen, stundenlang nicht im Ansatz einschlafen können und sich gegen 3 Uhr Schlaftabletten bestellen. Ich glaub ich werde alt. Oder es ist einfach nur der kalte Opiumentzug der mich mehr schikaniert als ich dachte…

Vermisst: Druckventil

Meine innere Anspannung ist derart hoch, dass ich schier am Durchdrehen bin. Ich bin kurz davor alles zu tun, damit das besser wird. Ich habe ja bisschen dazugelernt und drum hab ich’s noch nicht gemacht, denn zumindest bedenke ich die Konsequenzen. Allerdings bin ich am Ende der Skala angelangt, befürchte denken wird bald nicht mehr möglich sein, bzw. Konsequenzen werden mit zunehmen unaufhaltbarem Druck immer harmloser. Option, in die Wand zu schlagen würde gut tun, mit verletzter Hand ist schlecht Krücken laufen, sich Opiate reinzuschaufeln nur um sich gut zu fühlen, naja das wäre auch unklug. Druck durch wunden ablassen funktioniert das zwar, aber überflüssig zu erwähnen, dass es wenig konstruktiv ist. 

Jedenfalls eins ist klar, so ist der Druck nicht mehr lange aushaltbar. Das macht mich doch wütend, traurig aber auch ruhig und kalt zu gleich. Und besonders die letzteren machen mir Angst…. 

Situation

Es sind heute genau 76 Tage vergangen, seit dem Unfall. 76 Tage sitzen oder liegen oder mit Krücken wenige Meter hüpfen. Viel alleine zu Hause rumsitzen. Highlights sind Geschirr abwaschen und 2 mal die Woche Physio zu Hause. Ab und zu holt mich jemand ab. Wir machen was. Aber es ist fremd für mich. Ich hasse es abhängig zu sein, auch von Freunden, besonders aber von der Familie.

Ich glaube ich brauch nicht erwähnen, was das für eine Scheiße ist (und das ist noch milde ausgedrückt).

Nun sind Gefühle und Emotionen ja nicht auf der Piste mit dem Beinbruch gestorben. Und so überrennen sie mich mich inzwischen immer wieder. Traurigkeit gepaart mit Wut, Selbsthass, Angst und Einsamkeit. Und da ich solche Gefühle wie Traurigkeit immer noch abwürge mündet das – wie das bei Borderline ja oft so ist – in impulsivem Handeln. Ich hab ja nicht viele Ventile um Gefühle rauszulassen, aber die, die ich habe, funktionieren nicht. Nicht einmal die dysfunktionalen. Denn ich kann auch nicht mal wie sonst halt am Wochenende mal wieder richtig „einen drauf machen“. Das Rauchen habe ich für 66 Tage aufgehört, aber wieder anfangen müssen. Ich wäre sonst leider ausgeflippt hier. Sport geht nicht. Von meinen mir bekannten, wirksamen Methoden ist leider nur Schokolade, Rauchen und in die Wand schlagen übrig geblieben. Und da ich die Wand nicht weiter zerstören will und meine Hände im Moment mehr brauche denn je muss es Schokolade und Nikotin richten. Mich quasi über die Zeit retten.

Da mein Wille, die Lust und der Sinn am/des Lebens grad in weite Ferne gerückt sind bin ich froh, dass der Orthopäde mir kein Oxycodon oder Morphium gegeben hatte. Denn das würde ich mir sofort reinpfeifen, einfach um mich gut zu fühlen. Im Moment wäre es mir völlig egal. Das zeigt mir, dass die Ampel dabei ist von gelb auf rot zu springen.

Ich weiß nicht wie lange es noch dauert, manchmal glaube ich, ich kann gar nie mehr gescheit laufen, aber ich versinke langsam aber stetig im emotionalen Chaos. Der innere Druck ist massiv im kritischen Bereich und ich weiß nicht wie ich ihn senken kann 😦

Sozialphobie

Ich bin schon Wochen – inzwischen kann man sogar „Monate“ sagen – von der Welt abgeschnitten. Außer Freunde, paar Kollegen und Eltern hab ich niemand gesehen. Ich nehme nicht Teil an diesem „Leben“. Am Alltag. Ich lebe das Leben, das zu meinem Gefühl passt. Alleine. Heute wäre die Chance da gewesen, mich mit meinem Bein mal wieder in die Gesellschaft zu bringen. Doch das Bein wollte nicht. Eigentlich wollte ich nicht. Denn mit dem Bein wäre es vielleicht, unabhängig von den üblichen Scherereien mit gebrochenem Schien- und Wadenbein, gegangen. Aber ich merke, dass ich eigentlich nicht wollte. Denn ich hatte Angst.

Angst vor vielen Menschen so plötzlich. Angst davor, dem feiernden seine Aufmerksamkeit zu nehmen. Angst davor 50+ Menschen zu erzählen wie es mir geht. Angst davor nicht ehrlich zu sein. Der Gedanke daran, so viele Kollegen auf einmal zu treffen obwohl ich noch etliche Wochen im Krankenstand sein werde hat mir Angst gemacht. Und so habe ich  mein Bein vorgeschoben um jetzt wieder das mir so vertraute Leben zu führen. Alleine, einsam, zufrieden und unzufrieden zugleich. Das hab ich mir wieder schön vermasselt. Aber neben den physischen Schwierigkeiten im Moment sind die psychischen ja nicht verschwunden. Andernfalls wäre der Beinbruch das 100 mal Wert gewesen…..